Wieder Gastgeber sein

Nach wochenlanger Zwangspause sind die meisten Restaurants wieder geöffnet – allerdings mit «angezogener Handbremse». Die geforderten Massnahmen sind einschneidend. Goinside hat exemplarisch mit drei Gastgebern gesprochen. 
Restaurant Freihof: Wir sind wieder für Sie da, wenn auch mit Masken!
Restaurant Freihof: Desinfektionsmittel vom Fass
Restaurant Toggenburg: Mit Trennwänden à la Restaurant Toggenburg ist es ­gelungen, den Charme des Restaurants zu behalten. 
Restaurant Egli: Die neu montierten Plexiglaswände: fast unsichtbar und trotzdem einschneidend. 
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Das Wochenende hat acht Wochen gedauert

Die Schliessung erfolgte am Wochenende, welches schlussendlich acht Wochen dauerte. «Die erste Zeit war unreal», meint Nicole Rüttimann, Geschäftsführerin des Restaurants Toggenburg. «Statt Menus zu kreieren, haben wir uns mit den Anträgen für die Kurzarbeit auseinandergesetzt.» Die zweite Woche füllten die Rüttimanns, mittlerweile beide vom Lockdown betroffen, mit Garten- und Hausarbeit. Der Entschleunigung des Alltages konnten beide auch etwas Positives abgewinnen. Die ärgsten Sorgen linderten die Arbeitslosenversicherung, da für sämtliche Mitarbeitenden Kurzarbeit beantragt wurde. Je länger der verordnete Stillstand dauerte, desto mehr vermissten Nicole Rüttimann und das Team «ihre» Gäste und die spannenden Gespräche. Nach ausgiebigem Frühlingsputz ging das «Toggi», wie es die Gossauer*innen liebevoll nennen, am 12. Mai endlich wieder auf. Auch wenn nur das halbe Team zu reduzierten Öffnungszeiten arbeiten kann, war es wichtig, trotz umfangreicher Hygienemassnahmen den Charme des Restaurants zu bewahren. «Es ist aber nicht mehr dasselbe wie vor Corona», erklärt Nicole Rüttimann. «Mit zwei Meter Distanz, ohne Händeschütteln, den auseinander gestellten Tischen und dem sichtbaren Desinfizieren ist es schwierig, eine gute Gastgeberin zu sein.» So hoffen alle, dass bald der gewohnte Alltag einkehrt und das «Toggi»-Team seine Gäste wieder so verwöhnen kann wie vorher.

Es ist schwierig, so eine gute Gastgeberin zu sein.

Nicole Rüttimann

Stay@home wird ­weitergeführt

Die Familie Egli ist nach dem ersten Corona-Schock schnell aktiv geworden und hat den Lieferservice «Stay@home» ins Leben gerufen. So mussten die Gossauer*innen auch in Lockdown-Zeiten nicht auf die beliebten Mittags- und Abendmenus verzichten. Zusammen mit dem Verkauf von «Pedro’s Eingemachten» konnte der finanzielle Schaden eingegrenzt werden. Zudem wurde die erzwungene Schliessung für Unterhaltsarbeiten genutzt. Die Öffnung erfolgte deshalb mit einer Woche Verspätung am 19. Mai. Der Schreiner hat Trennwände montiert, um die Abstandsregeln einzuhalten. Dadurch musste sich das Wirtepaar von 50 Prozent der Plätze trennen. Ein schmerzhafter Schritt, welcher die Ungewissheit über die Zukunft und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeitenden verschärft. «Mit diesem reduzierten Angebot können wir kaum noch Familienfeste bei uns anbieten», erklärt Yvonne Egli. «Wir haben unser Restaurant immer auch als Kommunikationsinsel für unsere Gäste verstanden», ergänzt sie. «Dies ist leider nur noch in beschränktem Masse möglich.» Trotzdem kann die Familie Egli der Schliessung auch etwas Positives abgewinnen. Das gemeinsame Essen in der Familie wurde erst dank dem Lockdown möglich und unser Lieferservice erfreut sich so grosser Beliebtheit, dass «Stay@home» jeweils am Abend weitergeführt wird.

Desinfektionsmittel vom Fass

Der «Freihof» hat den Lockdown gut überstanden. Aufgestaute Unterhaltsarbeiten wurden ausgeführt und das anhaltend schöne Wetter wurde für eine Erneuerung der Minigolfbahnen genutzt. Einige Mitarbeiter*innen haben beim HIG-Partner Coop in der Betriebszentrale während Wochen Schichtarbeit geleistet.

Der Tag der Wiedereröffnung wurde freudig erwartet. Am Anfang war die Zurückhaltung, teilweise auch Unsicherheit und Angst, bei vielen Gästen gross. Dank dem schönen Wetter und der Möglichkeit, im Garten zu sitzen, hat sich dies gelegt. Die Verantwortlichen haben zudem Desinfektionsstellen, Trennwände an den Tresen in der Bar aufgestellt oder die zwei Meter Abstände zwischen den Tischen eingerichtet. Die grosszügigen Räume lassen eine Auslastung von rund 60 Prozent der üblichen Sitzplätze zu. Mit rund fünfzig 4er-Tischen im Biergarten sind wir in einer privilegierten Situation. Umsatzmässig fällt das Fehlen von Gästegruppen ab fünf Personen sowie Bankette stark ins Gewicht.

Die Mitarbeitenden tragen Gesichtsmasken und möchten den Gästen die Gewissheit geben, dass sie alles für die Sicherheit tun. Da es vor allem in der Küche nicht immer möglich ist, die Abstände einzuhalten, wird diese Vorsichtsmassnahme freiwillig umgesetzt. Rückmeldungen der Gäste lassen uns spüren, dass diese vertrauensbildende Massnahme gut ankommt.

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