SchwalbePlus – kontrovers diskutiert

Die IGOP (Interessengemeinschaft für ein optimiertes Pflegeheim) schlägt vor, 50 Prozent der Sana-Fürstenland-Kunden, die Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims Espel, an die privaten Mitbewerber abzugeben. Dies in der Hoffnung, die «verlorenen» Kunden nach drei bis fünf Jahren wieder zurückholen zu können.

Würde ein verantwortungsvoller Unternehmer so handeln? Kann der Verwaltungsrat der Sana Fürstenland eine solche Lösung ins Auge fassen und damit das eigene Unternehmen, welches von Steuergeldern finanziert und von der Stadt Gossau getragen wird, in seiner Existenz bedrohen und sichere Arbeitsplätze gefährden? Auf der anderen Seite könnte das durch die Schliessung des Espels verloren gegangene Betreuungsangebot durch die privaten Anbieter aufgefangen werden. Dies würde allenfalls kurzfristig Steuergelder sparen, aber die Zukunftsperspektive der Sana Fürstenland zusätzlich verschlechtern.

Hinter dieser auf die finanziellen Aspekte konzentrierte Argumentation steht schlussendlich die Frage, welche Aufgaben der Staat übernehmen soll und wo die Privatwirtschaft es richten wird. Ist ein bezahlbares Betreuungsangebot für eine alternde Bevölkerung auch eine gesellschaftliche Aufgabe, die wir alle gemeinsam tragen, oder ist jeder – auch im Alter – selber verantwortlich, das für ihn bezahlbare Betreuungsangebot zu beanspruchen?

Die Stimmberechtigten von Gossau und Arnegg haben am 8.März 2020 über die Fragen zu befinden. Marius Thürlimann als Vertreter des Referendumkomitees und Helen Alder Frey als Gossauer Stadträtin nennen je fünf Argumente, weshalb man den Beitrag ablehnen respektive gutheissen soll. (ca)

PRO

Helen Alder Frey
Stadträtin Vorsteherin «Jugend, Alter, Soziales» Verwaltungsrätin Sana Fürstenland AG

Ich setze mich für ein Ja ein, weil

… die Bürgerinnen und Bürger von Gossau und ihre Partnergemeinden in der Abstimmung von 2013 deutlich JA zu öffentlichen Pflegeplätzen gesagt haben, welche mit dieser Lösung gesichert sind.

… die Konzentration auf den Standort Schwalbe die Lebensqualität der betagten Menschen und die Arbeitsbedingungen des Personals verbessert und die Arbeits- und Ausbildungsplätze unserer Mitarbeitenden langfristig ­gesichert sind.

… das Provisorium betriebswirtschaftlich die einzig vernünftige Übergangslösung ist.

… mit dieser Lösung alle Betagten weiterhin die Wahl haben, sich für einen öffentlichen oder privaten Pflegeplatz zu entscheiden, und sie Pflegeplätze bietet für alle Menschen, unabhängig ihrer finanziellen Situation.

… das Provisorium «SchwalbePlus» den grössten Gegenwert zu den geringsten Kosten bietet. Für die Betagten. Für die Mitarbeitenden. Für die ganze Stadt.

KONTRA

Dr. med. Marius Thürlimann
Initiant IGOP Spezialarzt für Oto- Rhino-Laryngo logie

Nur ein Nein …

… ermöglicht die Unterbringung älterer Menschen zu gleichen Preisen in wesentlich attraktiveren, privaten Alters- und Pflegeheimen in der Stadt Gossau.

… verhindert, dass vier Millionen Franken in ein Container-Dorf fehlinvestiert werden.

… begrenzt das finanzielle Risiko, wenn die engen Container verständlicherweise wegen beliebterer und schönerer Angebote in der Region nicht gemietet werden.

… bietet Möglichkeiten zur Anstellung der betroffenen Mitarbeitenden der Sana Fürstenland AG bei den privaten Alters- und Pflegeheimen.

… sorgt für die nötige Zeit, sich über die zukünftige Nutzung des Espels vertieft Gedanken zu machen, was nötig ist, da viele Gossauerinnen und Gossauer einen Abriss für grundsätzlich falsch ansehen.

SchauPlatz

Wenn Nein-Sagen zur Kultur wird, ist der Weg nach Seldwyla nicht mehr weit. So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich die Diskussion um «Schwalbe plus» beobachte. Gossau hat 2013 entschieden, die Sana Fürstenland zu gründen und den Auftrag erteilt, ein neues Pflegeheim im Zentrum zu bauen. Dies nachdem alle bis dahin geprüften Varianten keine Mehrheit fanden. Dieses Vorhaben wird seit Jahren durch Einsprachen verhindert. Nun musste die Sana handeln und unterbreitet zusammen mit dem Stadtrat eine Übergangslösung. Doch auch diese wird wieder in Frage gestellt, wie auch der klare Entscheid aus dem Jahr 2013. Mich erinnert das stark an das Debakel Verkehrsplanung. Nein sagen, Stillstand seit 50 Jahren! Blüht uns mit der Altersbetreuung das Gleiche? Es wäre demokratischer, die klaren Entscheide zu akzeptieren, statt auf Verzögerungstaktik zu machen. Wenn wir realisieren, dass es keine Lösung mehr gibt, reiben wir uns die Augen und würden gerne die Zeit zurückdrehen. Stehen wir zu unseren Entscheiden und setzen sie um. Wir lassen uns nicht zermürben. Seldwyla wollen wir nicht.

Franz Würth, Gossau

 

Eine solide Lösung liegt auf dem Tisch. Sie ist im Parlament wie auch in der Bevölkerung breit abgestützt und sichert die Qualität für Bewohner und Personal bis zum Neubau des Alterszentrums Fürstenland. Deshalb unser Fazit: Daran führt kein Weg vorbei! Was ist das für ein Wirbel, ausgelöst durch die Igop? Fragwürdige Argumente dienen nur zur Verwirrung und sind reine Verhinderungstaktik. Darum lassen wir Gossauer uns nicht beirren und sagen klar Ja zum Provisorium.

Kurt und Kreszentia Villiger-Wyssen, Gossau

 

Schön sieht er aus, der neue Info-Pavillon für das Projekt SchwalbePlus, über das wir am 8. März abstimmen. Zu schön, denn so wird das Container-Dorf nie aussehen. Die architektonischen Planungen sehen keine grossen Fenster mit Weitsicht und Sonne vor. Im Gegenteil, die Container werden längs aneinandergereiht, sodass es gar keinen Platz für grosse Fenster gibt. Einzig ein kleines Fenster gegen Norden wird es jeweils haben. Somit sehen die Bewohnerinnen und Bewohner über 365 Tage pro Jahr keine Sonne. Warum gaukelt der Info-Pavillon Wohnlichkeit vor, wenn die Realität ganz anders aussieht? Ich traue den Aussagen der Sana Fürstenland AG nach all den baulichen Fehlern nicht mehr. Deshalb stimme ich am 8. März Nein zum Container-Dorf «Schwalbe».

Herbert Köppel, Haldenstrasse, Gossau

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2 Antworten

  1. Nein zum Kredit, nein zur Containersiedlung

    Ich bin überzeugt, dass ein NEIN zum Kredit für die SchwalbePLUS notwendig ist. Verstehen sie mich richtig: Die Sana Fürstenland ist für Gossau wichtig. Nicht aber die vorgeschlagene Unterbringung unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger des Espel in einem Containerdorf. Eine würdigere und zugleich wirtschaftlichere Lösung muss möglich sein. Ohne diesen Kredit, so sollen wir glauben, komme die Sana Fürstenland in eine finanzielle Schieflage. Nicht der fehlende Kredit dürfte daran Schuld sein. Die Sana Fürstenland hatte im Jahr 2015 einen Baurechtsvertrag unterschrieben, ohne eine rechtsgültige Baubewilligung abzuwarten. Seit 2017 zahlt sie nun Jahr für Jahr Fr. 130‘000, ohne dass sich irgendetwas bewegt. Welcher Unternehmer könnte sich wohl solch fehlende Weitsicht leisten, ohne Firma und Arbeitsplätze in Gefahr zu bringen? Sollte das Projekt auf dem Areal des Andreaszentrum weiterhin nicht bewilligt werden, wäre das finanzielle Fiasko komplett und der Scherbenhaufen immens. Die Sana Fürstenland sollte ihre sture Haltung aufgeben und sich für eine echte Lösung für unsere Betagten einsetzen. Das sind meine Gründe, mit gutem Gewissen ein NEIN zum Kredit in die Urne zu legen.

    Esther Rub, Gossau

  2. Nein zum Container- Kredit
    Es geht mir nicht darum, unseren betagten Gossauern einen neuen Lebensplatz zu verwehren. Jedoch finde ich es sehr befremdend, dass man versucht hat, so eine wichtige Angelegenheit hinter «verschlossener Tür» an der Bevölkerung vorbei zu schmuggeln. Kommt das evtl. davon, dass die vielen grundsätzlichen Fehler, welche die Befürworter gemacht haben, vertuscht werden sollten? Meine Mutter ist vor 3 Jahren im Altersheim verstorben und litt an Demenz. Wenn ich mir vorstelle, dass wir sie in einem Container hätten besuchen müssen, dreht sich mir der Magen um. Was ist das für eine Einstellung, den alten Menschen gegenüber, welche ihr Leben lang gearbeitet und Steuern in dieser Stadt bezahlt haben? Mit diesen angeblichen 4 Mio. Franken, plus die Kosten für den zukünftigen Bau beim Andreaszentrum, könnte man Einiges im Espel bewegen, wenn nicht sogar neu bauen, wo sich die jetzigen Bewohner auch wohl fühlen. Wie sieht es denn zum Beispiel mit den Besucherparkplätzen in der Schwalbe aus? Wo in diesen Containern werden die Demenz- oder Alzheimerkranken betreut? Ist bei diesem Kredit das Fundament, Abwasser oder Stromversorgung der Container schon berücksichtigt? Oder kostet am Schluss einfach alles um ein Vielfaches mehr? Wacht auf Gossauer, es geht um «euer» Geld und am allerwichtigsten, um ein menschenwürdiges Altwerden der Bewohner dieser Heime.

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