Ein neues Schulhaus für Arnegg?

Die Schulgemeinde Andwil-Arnegg will neuen Schulraum schaffen. Die Frage ist nur, ob in Andwil oder in Arnegg. Der Verwaltungsrat der Dorfkorporation Arnegg hat sich mit dem «Jahrhundertprojekt» befasst und die Dorfbürger an der Bürgerversammlung orientiert. (Bildquelle: andwil-arnegg.ch)

Dorfkorporation Die Schulgemeinde Andwil-Arnegg ist ein spezielles Konstrukt. Sie ist für die Beschulung der Kinder der Politischen Gemeinde Andwil und des zur Stadt Gossau gehörenden Dorfes Arnegg zuständig. Damit sind alle Bewohnerinnen und Bewohner von Andwil und von Arnegg über 18 Jahre und mit Schweizer Pass automatisch Mitglieder der Schulgemeinde Andwil-Arnegg und stimmberechtigt. Diese organisiert ihren Schulbetrieb gemäss den kantonalen Vorgaben und ist finanziell selbstständig. Die Schulgemeinde legt das Budget fest – die Gemeinden Gossau und Andwil tragen die Kosten anteilmässig nach der Herkunft der Schülerinnen und Schüler. Soweit, so kompliziert.

Ersatz für Schulhaus Otmar

In der Schulgemeinde Andwil-Arnegg werden aktuell von 43 ordentlichen Lehrkräften und einigen Sonder-Lehrkräften in den 17 Primarklassen und sechs Kindergärten insgesamt 412 Kinder beschult. Die 167 Jugendlichen der Oberstufe besuchen den Unterricht in Gossau. Der notwendige Schulraum steht zurzeit in der modernen Schulanlage Ebnet sowie im altehrwürdigen Schulhaus Otmar (Baujahr 1870) zur Verfügung. Als Folge des anhaltenden Bevölkerungswachstums steigen die Schülerzahlen stetig. Damit ist der Schulraum definitiv knapp geworden. Zudem ist das Otmarschulhaus baufällig. Die Schulgemeinde Andwil-Arnegg will deshalb so rasch wie möglich neuen Schulraum bauen.

Kleinere Schulanlagen sind pädagogisch und personell wirksamer zu führen.

Erweiterung Ebnet oder neues Schulhaus in Arnegg

Der Bedarf nach zusätzlichem Schulraum ist unbestritten. Im Zentrum der Entscheidungsfindung steht aber eine einzige: Soll die bestehende Schulanlage im Ebnet in Andwil nochmals erweitert werden oder soll in Arnegg ein neues Schulhaus gebaut werden? Je nachdem, wie diese Frage beantwortet werden wird, ergeben sich weitere offene Fragen. Aber davon später.
Zuerst geht es darum, zu entscheiden, ob die Erweiterung des Schulraumes an einem noch zu bestimmenden Standort in Arnegg oder aber beim Ebnet in Andwil realisiert werden soll. Zur Klärung dieser Frage wollte der Schulrat von seinen Stimmberechtigten an der Bürgerversammlung vom 30. März 2020 einen Richtungsentscheid verlangen. Der Rat sah sich Corona-bedingt jedoch zwischenzeitlich zur Absage der Bürgerversammlung und zur Verschiebung der Diskussion gezwungen (vgl. Kasten «Absage»).

Dorfkorporation Arnegg als Diskussionsplattform

Das Dorf Arnegg bildet einen selbstständigen Teil der Stadt Gossau. Die Dorfkorporation setzt sich für die Interessen der Einwohnerschaft ein. Das gilt auch für den Bereich Schule. Zudem versteht sich die Dorfkorporation als Diskussionsplattform für Fragen, die das Dorf Arnegg betreffen, also auch für die Schulraum-Diskussion. In diesem Sinne präsentierte Markus Giger als Präsident der Dorfkorporation an der Bürgerversammlung von Mitte Februar nach der Behandlung der ordentlichen Traktanden die «Causa Schulraumplanung». Soweit überhaupt möglich, legte Markus Giger den Dorfbürgern möglichst objektiv alle Überlegungen und Varianten für das «Jahrhundertprojekt» für neuen Schulraum dar.

Favorisierter Standort Wildeggstrasse.

Die Dorfkorporation empfiehlt der Schulbürgerversammlung einstimmig:

  1. Ein Schulhaus in Arnegg ist eine sinnvolle und richtige Investition in die Zukunft.

  2. Die Schulanlage Ebnet ist jetzt schon eine der grössten im Kanton St. Gallen und soll nicht noch weiter wachsen. Kleinere Schulanlagen sind pädagogisch und personell wirksamer zu führen.

  3. Ein eigenes Schulhaus würde Arnegg aufwerten und für das Dorf neue Perspektiven eröffnen.

  4. Die Vorteile eines neuen Schulhauses in Arnegg überwiegen die Mehrkosten und die organisatorischen Mehraufwände, die durch den Bau eines zweiten Schulhauses entstehen.

  5. An der Weideggstrasse in Arnegg verfügt die Stadt Gossau über ein fast 35 000 Quadratmeter grosses Gelände, das sich bestens für den Schulhausbau eignet. Der Stadtrat hat bereits sein Einverständnis für eine Zurverfügungstellung im Baurecht signalisiert.

  6. Das Areal befindet sich bereits in der Zone für öffentliche Bauten, eine zeitraubende Umzonung ist nicht mehr notwendig. Das Projekt ist zeitnah realisierbar.

  7. Der Standort ist bezogen auf das gesamte Gebiet der Schulgemeinde Andwil-Arnegg gleich zentral gelegen wie der Standort Ebnet.

 

Der Verwaltungsrat der Dorfkorporation Arnegg empfiehlt den Stimmberechtigten der Schulgemeinde Andwil-Arnegg das stadteigene Areal an der Wildeggstrasse als Standort für ein neues Schulhaus.

Absage

Für Montag, 30. März 2020, war die ordentliche Bürgerversammlung der Schulgemeinde Andwil-Arnegg angesagt. Wie der Schulrat Anfang Woche mitteilte, wird diese definitiv abgesagt. Weil die Schulgemeinde für einen ordentlichen Schulbetrieb auf die Freigabe des Budgets angewiesen ist und derzeit nicht abschätzbar ist, ob die Versammlung in der möglichen gesetzlichen Frist nachgeholt werden kann, hat der Schulrat entschieden, die Jahresrechnung 2019 und das Budget 2020 der Schulbürgerschaft per Urnenabstimmung am 19. April 2020 vorzulegen.
Die geplante Diskussion und Abstimmung über die Schulraum-Varianten wird zurückgestellt. Gesetzlich wäre es zwar möglich, über den Projektierungskredit an der Urne befinden zu lassen. Jedoch wären eine breite Meinungsbildung und eine Diskussion ausgeblieben. Dem Schulrat Andwil-Arnegg war es stets ein grosses Anliegen, die Bevölkerung in sämtlichen Prozessschritten offen und transparent zu informieren, in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen und eine demokratische Diskussion zu ermöglichen. Ohne Informationsveranstaltung wären diese grundlegenden Ziele ausser Kraft gesetzt. Es geht um eine richtungsweisende Entscheidung mit Auswirkungen weit über die nächsten Generationen hinaus. Der Schulrat Andwil-Arnegg wird deshalb das Geschäft später in diesem Jahr an einer ausserordentlichen Versammlung wieder aufzunehmen.

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