Nachhaltigkeit betrifft jeden

Das Bewusstsein wächst, dass wir als Gesellschaft nachhaltigere Lösungen beim Essen, beim Wohnen und beim Reisen suchen müssen. Darüber sprach Goinside mit dem Goss­auer Stadtpräsidenten Wolfgang Giella.

Was kann die Stadt und Region Gossau tun, um auch einen Beitrag zu leisten?
Wolfgang Giella: Gossau ist Energiestadt und hat in diesem Rahmen Massnahmen umzusetzen und Standards zu beachten. Die Stadt wurde 2018 erfolgreich rezertifiziert. Neben der Stadtverwaltung sind die Bewohnerinnen und Bewohner von Gossau ein wichtiger Teil der Energiestadt. Sie können einen wesentlichen Beitrag leisten.

Mit Fair Trade Town Gossau unterstützt die Stadt ein nachhaltiges Vorhaben. Die Stadt Gossau hat zudem seit 2009 ein Energiefondsreglement, durch das ebenfalls wirkungsvolle Massnahmen gefördert werden.

Im Stadthaus selber?
WG: Auch intern fokussieren wir Schwach-stellen: So haben wir beispielsweise den PET-Flaschenverbrauch reduziert. Auch versuchen wir soweit möglich, das Ausdrucken von Dokumenten zu vermeiden.

Und in der Region?
WG: Regional gibt es im Bereich Ökologie und Landschaft einige Projekte, bei denen Gossau auch eine wichtige Rolle spielt. In verschiedenen Wasser- und Energieverbünden erfolgt der regionale Austausch, der durch Gossauer Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft mitgeprägt wird.

Was für einen Beitrag können die Unternehmen leisten?
WG: Unternehmen leisten schon grosse Beiträge. Sparsamkeit im Energieverbrauch wirkt sich sofort finanziell aus, Lösungen jenseits von Erdöl und möglicherweise Erdgas helfen abgesehen von ökologischen Fragen zudem, mittelfristig unabhängiger von unsicheren Lieferregionen zu produzieren. Und natürlich sind auch unsere Stadtwerke in dieser Frage ein wichtiges Unternehmen. Als Distributor von Energie, Wasser und Glasfaser ist es hier besonders wichtig, umweltverträgliche Produkte anzubieten. Die Stromprodukte der Stadtwerke beispielsweise beinhalten nur Solar- und Wasserstrom.

Gibt es aktuelle Beispiele?
WG: Ja, sicher. Ich kann nicht alles aufzählen. Aber der Neubau der Braun AG ist sicher ein gutes Beispiel. Das Holzheizkraftwerk der Schlachtbetriebe ebenfalls. Auch die drei Grossverteiler vor Ort leisten im Bereich Recycling und Energiesparsamkeit vieles. Blumer Lehmann arbeitet ebenfalls mit nachhaltiger Energieproduktion. Und natürlich gibt es noch viele andere kleine Betriebe, die im Stillen einen gros-sen Beitrag leisten. Zudem sei hier exemplarisch das Projekt «Energienetz GSG» erwähnt. Zahlreiche Unternehmen aus dem Perimeter Gossau, St.Gallen und Gaiserwald sowie die Städte und Stadtwerke haben sich freiwillig zusammengeschlossen, um sachorientiert die Themen «Energieoptimierung in den Betrieben» sowie «Möglichkeiten des Energieaustauschs» voranzutreiben und umzusetzen.

 


 

 «Sparsamkeit im
Energieverbrauch wirkt
sich
finanziell positiv aus.»

 


 

Können die Unternehmen bei neuen Projekten mit Unterstützung rechnen?
WG: Das bereits erwähnte Energiereglement, das die Förderung zur Verbesserung der Wärmeeffizienz an Bauten und Anlagen, aber auch die effiziente Nutzung elektrischer und erneuerbarer Energie regelt. Der Fonds wird durch die Stadtwerke jährlich gespeist und durch sie auch verwaltet. Dies wird im Energiefondsreglement und in der Vollzugsverordnung festgelegt. Die Beratung erfolgt durch die Energiefachstelle, die in den Stadtwerken angesiedelt ist.

Was haben Sie für Erwartungen an die privaten Haushalte?
WG: Private können viel beisteuern, z. B. saisonaler leben, also idealerweise beim Bauern um die Ecke einkaufen! Das heisst konkret z. B. keine Erdbeeren aus Übersee, keine Frühkartoffeln oder Spargeln aus Israel oder Peru zu kaufen, bewusst zu überlegen, ob, wann und weshalb man das Auto nimmt. 

Und was kann die Stadt beitragen?
WG: Umweltbewusstes Handeln muss man immer wieder vorleben. Aber man muss es auch immer wieder ins Bewusstsein rufen, das ist leider kein Automatismus. Bei niemandem. Staatliche und überstaatliche Organisationen müssen weiter aufklären, nicht mit dem mahnenden oder moralischen Zeigefinger verbieten, sondern aufklären im Sinne aufzeigen, welche Alternativen zur Verfügung stehen. Bei den Alternativen muss die Niederschwelligkeit, also die leichte Verfügbarkeit, bestechend sein, sonst werden sie auch nicht genutzt.

Herr Giella, besten Dank für das Gespräch. (jg)

 

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