Musiker lieben das Live-Clubambiente

Tagsüber leitet Hubert Füllemann vom Firmenareal im Moosgarten aus die Füllemann-Firmengruppe mit einer Baumschule, einer Spezialfirma für Steinkorb-Systeme und der Gartenbaufirma Gartus AG. Abends widmet er sich als Präsident um den Verein AKTiGO, der im Werk 1 regelmässig kulturelle Veranstaltungen für Musikliebhaber organisiert. 2016 gestartet, leidet AKTiGO aktuell unter den Corona-bedingten Vorgaben für Konzertveranstalter.

AKTiGO musste im März die Konzertreiheabbrechen. Obwohl Kleinveranstaltungenjetzt wieder möglich wären, wurde dieWiederaufnahme der Konzerte auf nächstesJahr verschoben. Weshalb?

Hubert Füllemann: Unser Konzept mit Essen und Musik auf einer kleinen Bühne ist für die Region einmalig. Diese Kombination erschwert allerdings die Organisation von Veranstaltungen gemäss den geltenden Corona-Vorschriften enorm. Der Aufwand für zuverlässige Schutzmassnahmen wäre unverhältnismässig gross. Und selbst bei strikter Umsetzung der strengen Auflagen bliebe ein Restrisiko. Weil wir aber nicht von unserem Konzept abweichen wollen, haben wir nach längerer Diskussion im Vorstand beschlossen, die für September bis Dezember 2020 geplanten Konzerte auf nächstes Jahr zu verschieben. Wir hoffen, dass sich bis dann die Situation einigermassen beruhigt hat.

Den Verein AKTiGO gibt es seit 2016. Wie ist er entstanden?

Der damalige Wirt hat seit der Eröffnung des Werk 1 ab und zu Jazzkonzerte veranstaltet. Eine Gruppe von Musikfans hat dann im Herbst 2016 den Verein AKTiGO mit dem Ziel gegründet, regelmässig Livemusik in Kombination mit kulinarischen Erlebnissen anzubieten.

Weshalb Musik und Essen und nicht nur Musik?

Es war unser Ziel, eine Art Club-Atmosphäre zu schaffen. In aller Ruhe gut zu essen und dann noch Livemusik zu geniessen, ist eine spezielle Kombination, die sich von «normalen Konzerten» stark unterscheidet. Livemusik hat viel mit Handwerk, mit Erleben und Geniessen zu tun – gut essen auch. AKTiGO will den Konzertbesuchern ein Gesamterlebnis bieten.

Und wie hat das Publikum reagiert?

Anfänglich war unser Musikprogramm noch etwas Jazz-lastig. Dann ist der Vorstand aber über seinen Jazz-Schatten gesprungen und hat das Musikfeld erweitert und «weicher» gemacht. Heute bieten wir von September bis Mai pro Monat zwei Konzerte mit Dixie, Soul, Blues, Swing und Jazz an. Im Dezember gibt es wegen der Festtage nur ein Konzert. Das bedeutet, dass wir pro Jahr 17 Konzerte veranstalten.

Sind die einzelnen Konzerte immer ausverkauft?

Was heisst ausverkauft? Weil wir ja keinen Eintritt verlangen, kennen wir die genaue Zahl der Besucher nicht. Die Tische, an denen gegessen wird, sind immer gut besetzt. Eine Reservation im Restaurant ist notwendig. Besonders schön ist es dann, wenn an der Bar die Musikfans in Dreierreihe stehen. Dann kommt echt Stimmung auf.

Ohne Eintritt? Wie finanziert AKTiGO die Konzerte?

Wir dürfen seit der Gründung auf die grossartige Unterstützung durch einige treue Sponsoren, die Stadt Gossau und den Kanton St. Gallen zählen. Und es kommen laufend neue dazu. Zudem zahlen die rund 70 Mitglieder des Vereins AKTiGO einen Jahresbeitrag von mindestens 50 Franken. Und schliesslich führen wir bei jedem Konzert eine freiwillige Kollekte durch, die mittlerweile etwa die Hälfte der Gage der Musiker ausmacht. Und: Wir bezahlen den Bands im nationalen und internationalen Umfeld eher bescheidene Gagen.

Und dennoch holt AKTiGO hochkarätige Musiker ins Werk 1.

Ja, weil wir uns in Musikerkreisen einen sehr guten Namen geschaffen haben. Top-Musiker kommen nach Gossau, weil sie hier auf einer kleinen Bühne vor einem begeisterten Publikum ihre Lieblingsmusik spielen und noch ein echtes Live-Club ambiente erleben können. Da verzichten sie gerne auf das grosse Geld. Wir haben in der Musikerszene mittlerweile einen so guten Ruf, dass sich Bands bei uns für Auftritte bewerben.

Die Corona-Pause wird verlängert. Haben Sie da keine Angst um den Fortbestand der AKTiGO-Idee?

Ja, eine gewisse Angst besteht allerdings. Falls wir im Januar 2021 wieder starten können, kommen wir wieder in die Gänge. Falls die Pause aber länger dauern sollte, haben wir Angst, dass -AKTiGO in Vergessenheit geraten könnte.

Und was tun Sie gegen dasVergessen-Werden?

Wir sind daran, Ideen zu sammeln. Vielleicht melden wir uns mit einem Open-Air-AKTiGO-Weihnachtskonzert? Wer weiss?

Diesen Beitrag teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.