«Kein Knatsch in der Kabine»

Die erste Handballmannschaft des TSV Forti tudo Gossau ist vor einem Monat in die zweite NLB-Saison gestartet. Nach vier Siegen in der Meisterschaft scheint der Start erfolgreich. Doch die Trennung von Trainer Oliver Roth deutet auf Probleme «neben dem Spielfeld» hin. Forti-Präsident Franz Würth gibt Auskunft.

Franz Würth, Erfolg auf dem Spielfeld, Knatsch in der Kabine? In der Medien mitteilung zum Ausscheiden von Roth wird von «Meinungsdifferenzen» gesprochen. Was für Differenzen?

Franz Würth: Überhaupt kein Knatsch in der Kabine. Im Gegenteil, die Mannschaft und der ganze Staff um Cheftrainer Oliver Roth hat ausgezeichnet zusammengearbeitet. Die Meinungsverschiedenheiten betreffen Bereiche, die nicht direkt mit der Mannschaft zusammenhängen. Wir arbeiten an deren Lösung. Sowohl die Spieler wie auch der ganze Verein bedauern den Entscheid von Oli.

Oliver Roth hat an der Medienkonferenz vor der Saison vom Wiederaufstieg in die NLA als Saisonziel gesprochen. Liegen hier die Differenzen?

Ein Sportverein, der sich nicht hohe Ziele setzt, droht rasch im Niemandsland zu verschwinden. Deshalb hat es uns gefreut, dass sich die Mannschaft selbst dieses hohe Ziel gesteckt hat. Die Differenzen liegen nicht im engeren Sinn im sportlichen Bereich. Wir wollen diese Fragen intern klären und nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Dafür bitte ich um Verständnis.

Der Saisonstart scheint gelungen. Wie schätzen Sie die Stärkenverhältnisse in der NLB ein?

Bereits am vierten Spieltag ist es zum Spitzenkampf der einzigen bislang noch ungeschlagenen Mannschaften (Forti und HSC Kreuzlingen) gekommen, den Forti in letzter Minute gewinnen konnte.Das zeigt einerseits die Ausgeglichenheit der Liga, in der offenbar jeder jeden schlagen kann. Andererseits zeigt es sich, dass unsere Mannschaft gut aufgestellt und top vorbereitet in die Saison gestartet ist. Wir sind überzeugt, dass die Zielsetzung realistisch ist.

Wie stark ist Forti im Vergleich zum Vorjahr?

Die mannschaftliche Geschlossenheit ist noch intensiver als in der vergangenen Saison. Das wird in kritischen Phasen neben dem sportlichen Können ausschlaggebend sein.

Ihr Sohn Gabriel hat sich nach langen Jahren als Teamstütze vom Leistungssport zurückgezogen. Ist Handball im Kontakt mit ihm noch ein Thema?

Aber selbstverständlich. Wir sind beide nach wie vor angefressene Handballer und überzeugte Fortianer. Das Feuer brennt weiterhin und deshalb reden wir selbstredend immer wieder über Handball und den Forti.

Die Corona-Krise hat auch in den Handballhallen Spuren hinterlassen. Was sind die spürbarsten Einschränkungen, unter denen die Forti-Handballer und -Handballerinnen leiden?

So wie die generellen Corona-Regeln das Leben von uns allen einschränken, trifft es auch den Sportbetrieb. Der Trainings- und Spielbetrieb läuft zum Glück weitgehend normal. An den Spielen gelten aber zusätzliche Einschränkungen wie getrennte Eingänge für Sportler und Zuschauer und generelle Maskenpflicht im Zuschauerbereich. Wir sind froh, dass uns die Fans zum grössten Teil die Stange halten. Allerdings wirken sich die Einschränkungen und das generell zurückhaltende Verhalten der Zuschauer in der Forti-Beiz relativ stark aus. Da müssen wir Abstriche hinnehmen.

Welche Vorkehrungen müssen die Team verantwortlichen treffen, um Corona-konform zu handeln?

Grundsätzlich gelten die normalen Regeln, ausgenommen für Training und Spiel. Die Spieler achten darauf, dass sie sich auch bei leichtem Unwohlsein vom Training abmelden.

Handball ist ein Kampfsport, bei dem direkte Kontakte nicht ausgeschlossen werden können. Haben Sie Angst um die Gesundheit Ihrer Spieler?

Nein, soweit wir, die Trainer und die Spieler, selbst darauf achten, dass nur gesunde Spieler im Training und an den Spielen sind und ausserhalb jeder im eigenen Interesse auf seine Gesundheit achtet. Das machen auch unsere Gegner so.

Welchen Einfluss hat das aktuelle Corona-Regime auf das Umfeld der Handballabteilung des TSV Fortitudo?

Zunächst gibt es einen organisatorischen Mehraufwand, den alle zu leisten bereit sind. Wir wollen möglichst einen zweiten Saisonabbruch vermeiden, soweit das in unseren Möglichkeiten steht. Dann sehen wir uns natürlich auch mit finanziellen Ausfällen konfrontiert. Neben den Zuschauereinnahmen und den Erlösen aus der Forti-Beiz war es in der aktuellen Situation nicht möglich, ausgelaufene Sponsoringverträge 1:1 zu ersetzen. Wir reden da von rund 40 000 Franken. Ich bin deshalb sehr glücklich, dass die Hauptversammlung einstimmig einen einmaligen Solidaritätshunderter zum Mitgliederbeitrag einstimmig beschlossen hat. Die Junioren kompensieren das mit individuellen Spielerpatronaten. So können wir etwa die Hälfte des Ausfalls kompen sieren. Interview: Herbert Bosshart

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