Gossau im Ausnahmezustand

Die vom Bundesrat getroffenen Massnahmen treffen uns alle. Goinside hat Gossauerinnen und Gossauer gefragt, wie sehr sich ihr Leben verändert hat und mit welchen Schwierigkeiten sie kämpfen.

Thomas Eberle, Schulleitung Oberstufenzentrum Buechenwald

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«Alle Klassenlehrpersonen haben umgehend mit sämtlichen Elternhäusern persönlich Kontakt aufgenommen. Die zentrale Botschaft war, dass ab Montag, 16. März 2020, die Schule geschlossen sei, die Fortsetzung des schulischen Lernens aber sichergestellt wird. Viele Lernanlässe laufen heute bereits über digitale Plattformen. Unsere Lehrpersonen haben Aufträge zusammengestellt, die den Anforderungen des sogenannten «Distance Learning» gerecht werden. Jetzt arbeiten die Jugendlichen von zu Hause aus und stellen ihre Lernleistungen den Lehrpersonen zur Kontrolle wieder digital zu.
Diese Schulschliessung tut trotzdem weh. Es fehlt der persönliche Kontakt zu den Lernenden. Auf der anderen Seite nehmen die Lehrpersonen ihre Verantwortung sehr professionell wahr, das ‹Lernen auf Distanz› gut zu organisieren und auf die Erreichung der gesteckten Lernziele auszurichten.»

Esther Koller, Geschäftsleitung Spitex Gossau

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Die Corona-Epidemie ist für die Spitex und insbesonders für die Mitarbeitenden eine riesige Herausforderung. Wir sind bestrebt alles Nötig zu machen, um die Versorgung der Klienten zu gewährleisten. Alleinstehende Betagte sind besonders auf unsere Unterstützung angewiesen. Gleichzeitig ist das Personal enorm gefordert. Als Spitexorganisation stehen wir im Spannungsfeld zwischen Schutz des Pflegepersonals und dem Schutz der Risikogruppen. Beides ist uns enorm wichtig in dieser Situation. Bei einem längeren Ausfall von Pflegepersonal, sind wir leider gezwungen Pflegeleistungen zu kürzen. Die Grundversorgung soll aber gewährleistet bleiben. Die Verabreichung von Medikamenten, Spritzen und Infusionen, die Wundbehandlungen und die Begleitung von palliativen Klienten soll unter allen Umständen aufrecht erhalten bleiben. Mit konsequenten Hygienemassnahmen wollen wir die Risiken minimieren, für Klienten und Personal. Wir sind in engem Austausch mit Klientinnen und Klienten, Partnern und Behörden. Wir sind auf die Flexibilität aller angewiesen, damit wir auch in dieser ausserordentlichen Situation die hohe Pflegequalität zu Hause sicherstellen können. Wir danken der Bevölkerung von Gossau und Andwil für ihr Verständnis und Unterstützung.

Claudia Hug, Physiotherapeutin

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«Seit dem Ausbruch des Corona-Virus ist die Unsicherheit bei uns Physiotherapeuten gross. Wir gehören zu einer ‹Zwischengruppe›. Wir sind nicht lebensnotwendig, aber trotzdem Teil des Gesundheits-Versorgungssystems. Die bereits strengen Hygienemassnahmen werden verstärkt, indem nicht mehr als zwei Patienten beim Empfang warten sollen. Alle Zeitschriften werden entfernt, der Trainingsbereich wird geschlossen.

Patienten aus den Risikogruppen werden nur noch in dringenden Fällen behandelt, also frisch operierte oder jene, bei denen sich die Beschwerden ohne Therapie drastisch verschlimmern. Dies zu beurteilen, ist schwierig. Patienten sind verunsichert. Auch wir persönlich spüren die Unsicherheit: Da wir direkt am Patienten arbeiten, können wir den vorgeschriebenen Abstand von zwei Metern nicht einhalten. Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber unseren Familien.
Wir sind zudem sehr dankbar, dass im gleichen Haus mehrere Hausärzte praktizieren und wir auch auf ihre Informationen und Tipps zählen dürfen.»

Julian Stoop, Inhaber Sonnendrogerie

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«Am Sonntag tagte der Elternrat, um Lösungen für unsere Kinder zu finden. Glücklicherweise haben mein Mann und ich flexible Arbeitgeber, sodass wir unsere Arbeitszeiten abstimmen konnten. Allerdings bezieht mein Mann Ferientage. Bis zu den Ferien können wir überbrücken. Wenn es mehrere Monate dauern sollte, wird es schwierig. So cool schulfreie Zeit erscheinen mag, für unseren Sohn in der 5. Klasse stellen sich Fragen nach dem Schulstoff und ob dies Auswirkungen auf den Übertritt in die Oberstufe haben könnte. Etwas unbekümmerter ist unsere Kindergärtlerin. Sie kann aber nicht verstehen, warum sie mit anderen Kindern nicht auf den Spielplatz sollte. Wir sind also als Familie gefordert, zusammenzuhalten.»

Daniela Steingruber, teilzeitarbeitend und Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern

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«Wir haben unsere Mitarbeiterinnen angewiesen, untereinander, aber auch im direkten Kundenkontakt den 2-Meter-Abstand einzuhalten. Die Hände und die Oberflächen im Laden werden im Halbstunden-Rhythmus gereinigt und desinfiziert. Nach Möglichkeit werden Handschuhe getragen und die Arbeitsschürzen täglich gewechselt. Das Wichtigste bleibt: In die Drogerie kommt nur, wer gesund ist. Dies gilt sowohl für unsere Mitarbeiterinnen wie auch für die Kunden. Wir sind froh, dass unser Ladengeschäft auch unter den besonderen Massnahmen offen bleiben kann. Wir werden auch in dieser Krise unser Kunden bestmöglich unterstützen.

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