«Die erste Mannschaft wäre ‹top zwäg›»

Der FC Gossau gehört zahlenmässig zu den grossen Gossauer Vereinen. Jetzt hat das Corona-Virus den Verein in seinen Aktivitäten gestoppt. Präsident Carlo Troisi schildert, was das für den Verein bedeutet.
FC Gossau Aufgrund der aktuellen Situation bezüglich des Corona-Virus und der Empfehlung des Schweizerischen Fussballverbandes hat sich der Vorstand des FC Gossau entschieden, neben dem Spielbetrieb auch den Trainingsbetrieb für alle Teams bis auf Weiteres stillzulegen.
Carlo Troisi, Präsident des FC Gossau.

Carlo Troisi, weshalb dieser Entscheid?

Carlo Troisi: Wir haben uns zum Schutz der Gossauer Bevölkerung und der Mitglieder zu diesem Entscheid durchgerungen. Der Vorstand trifft sich regelmässig zur Beurteilung der Lage und wird laufend informieren.

Die erste Mannschaft des FC Gossau steht in der 1.-Liga-Rangliste der Gruppe 3 aktuell auf einem Abstiegsplatz. Kommt die Aussicht, dass die Meisterschaften abgebrochen werden und es keine Absteiger geben könnte, dem FC Gossau gelegen?

Nein, sicher nicht. Unsere erste Mannschaft ist im Augenblick «top zwäg». Das Team hat mit Trainer Patrick Winkler eine sehr gute Vorbereitung erlebt. Das Trainingslager in der Nähe von Marbella an der Costa del Sol war super. Wir haben dort in unseren Testspielen mit Münsingen einen oberklassigen Verein und mit Naters ein gutes 1.-Liga-Team geschlagen.

Es macht keinen Sinn, den ganzen Vereins­apparat auf Volltouren laufen zu lassen, wenn uns das Spielen und Trainieren mehrheitlich verboten ist.

Und dann die Absage der ersten beiden ­Heimspiele gegen Höngg und Paradiso?

Ja, wirklich blöd, aber verständlich. Wir waren bereit für das erste Spiel gegen die Spielvereinigung Höngg. Dann wurde am letzten Freitag auch noch das Spiel gegen den FC Paradiso aus dem Tessin abgesagt. Dabei wären wir bereit gewesen, alle Vorgaben des Gesundheitsdepartementes zu erfüllen – Eingangskontrolle, Information und so weiter.

Und jetzt die Absage aller Spiele bis auf Weiteres. Ist die Stilllegung des Trainingsbetriebes die logische Folge?

Ja. Wir sind kein Profiverein. Wenn wir jetzt unseren Aufwand runterfahren und die Entwicklung abwarten, ist das nur logisch. Es macht keinen Sinn, den ganzen Vereinsapparat auf Volltouren laufen zu lassen, wenn uns das Spielen und Trainieren mehrheitlich verboten ist.

Wie geht es weiter?

Das hängt von den übergeordneten Instanzen ab. Wird die EM verschoben, gibt es bei einem Ende der Epidemie vielleicht plötzlich Raum für die Beendigung der nationalen Meisterschaften. Das würde dann auch für uns heissen, dass wir die Meisterschaft noch zu Ende spielen könnten. Ich denke, dass wir in diesem Fall genügend Vorlaufzeit haben werden, um nochmals eine seriöse Vorbereitung durchzuführen.

Und wenn der Abbruch durchgezogen wird?

Das könnte nur bedeuten, dass die Meisterschaft nicht gewertet wird und wir im Herbst wieder mit dem Stand Herbst 2019 beginnen.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Finanzen des FC Gossau aus?

Wir werden sicher Mindereinnahmen von einigen 10 000 Franken verzeichnen müssen. So werden uns die Einnahmen aus dem FCG-Beizli fehlen. Zudem ist es fraglich, ob wir den auf Mai verschobenen Sponsorenlauf durchführen können. Diese Mindereinnahmen werden uns aber nicht aus den Socken hauen. Wir haben ja «strube» Zeiten mit jährlichen Defiziten hinter uns, haben aber die Kosten für die erste Mannschaft in den letzten Jahren massiv heruntergefahren und nebenbei auch den Schuldenberg abgetragen. Der FC Gossau ist seit zwei Jahren schuldenfrei. Und wenn wir jetzt keinen Spielbetrieb und keine Trainings haben, so entlastet das unsere Rechnung auf der Ausgabenseite. Das sollte die tieferen Einnahmen kompensieren.

Wir haben bisher nur von der ersten Mannschaft geredet. Wie steht es mit den anderen Teams?

Die zweite Mannschaft steht aktuell in der 3. Liga auf dem 4. Tabellenplatz, die dritte Aktivmannschaft in der 4. Liga auf Platz 8 und das dritte Team in der 5. Liga ebenfalls auf Rang 8. Zudem spielen drei Seniorenteams in den Kategorien +30, +40 und +50 mit. Mit den Resultaten unserer Aktiven sind wir im Grossen und Ganzen zufrieden. Doch auch ihr Spiel- und Trainingsbetrieb ruht aktuell.

Und die Frauen?

Die Frauen sind eigentlich unsere Sorgenkinder. Wir mussten vor zwei Jahren unser erstes Frauenteam aus der ersten Liga zurückziehen. Das Team, das vor allem dank einem sehr starken inneren Zusammenhalt grosse Erfolge erzielte, fiel leider auseinander. Aktuell spielen unsere Frauen in der 3. Liga und liegen auf einem Abstiegsplatz.

Und wie sieht es beim Nachwuchs aus?

Sehr erfreulich. Wir sind in der Coca-Cola Junior League in den Altersklassen A, B und C vertreten. Die Coca Cola League ist die höchste regionale Klasse. Daneben spielen ein B-Team und zwei C-Teams in den Stärkeklassen mit. Und in der Kategorie D, die noch auf dem kleineren Feld spielt, sind wir mit drei Teams vertreten. Beim weiblichen Nachwuchs sind je ein Juniorinnen-Team U19 und U15 gemeldet. Doch auch hier gilt: Leider können die Jungs und Mädels vorderhand nicht spielen.

Corona wirbelt auch den FC Gossau durcheinander. Sie schauen trotzdem optimistisch in die Zukunft?

Ja, unbedingt. Wir haben, wie gesagt, den Verein auf finanziell gesunde Füsse gestellt. Und auch die Organisation steht gut da, auch wenn uns wie vielen anderen Vereinen freiwillige Funktionärinnen und Funktionäre fehlen. Aber alles in allem geht es uns gut.

Und wenn 2026 die neuen Fussballplätze mit Tribüne eingeweiht werden noch besser?

Ja, wir freuen uns darauf. Allerdings werden wir während der Bauphase mit einigen organisatorischen Problemen rechnen müssen. Aber die lösen wir sicher. Froh sind wir vor allem, wenn unsere doch sehr baufällige Tribüne endlich ersetzt wird.

Doch vorher müssen die Stimmberechtigten von Gossau noch einem grossen Kredit ­zustimmen…

Ja, aber wir sind zuversichtlich. Doch wir schauen nicht nur für uns. Wir engagieren uns im Rahmen der IG Sport für die Realisierung aller geplanten Sportanlagen. Die Solidarität unter allen Gossauer Sporttreibenden ist wichtig. Wir vom FC Gossau setzen uns dafür ein.

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