«Lehrlinge» für die Oberstufe

Die PHSG hat mit «Partnerschule 2.0» ein Pilot­projekt zur Verbesserung der berufspraktischen Ausbildung der angehenden Oberstufenlehrkräfte gestartet. Die ­Gossauer Oberstufenzentren Rosenau und Buechenwald dienen als Pilotpartner.

Das OZ Buechenwald ist zusammen mit dem OZ Rosenau Teil des Projektes «Partnerschule 2.0», das die Pädagogische Hochschule St. Gallen (PHSG) im letzten Herbst lanciert hat. Nachdem ein Projekt, bei dem Studierende des Kindergarten- und Primarstudiums einer einzelnen Partnerschule zugeteilt wurden und alle Praktika in der gleichen Schuleinheit absolvierten, erfolgreich abgeschlossen werden konnte, hat die PHSG die Idee jetzt auf die Sekundarschulstufe transferiert.

Fünf Pilotstudierende in den Oberstufenzentren

«Wir haben schon seit vielen Jahren Praktikantinnen und Praktikanten der PHSG bei uns für jeweils einige Wochen zu Gast, die im OZ Buechenwald eines ihrer Praktika absolvieren», erklärt Thomas Eberle, Leiter des Oberstufenzentrums Buechenwald. «Seit einem halben Jahr haben wir vier Studierende bei uns, die nicht nur ein Praktikum, sondern gleich ihre gesamte berufspraktische Ausbildung geniessen.» Im OZ Rosenau ist es eine PHSG-Absolventin, welche die nächsten fünf Semester einen grossen Teil ihrer Ausbildung absolvieren wird, wie Schulleiter Roger John verrät.
Damit sind in den zwei Oberstufenschulhäusern insgesamt fünf angehende Oberstufenlehrpersonen «unterwegs», die ihre berufspraktische Ausbildung in «nur» einem Schulhaus absolvieren. Diese Ausbildung umfasst auch die Mitwirkung an Sondertagen, die Teilnahme an Lagern und allenfalls die Übernahme von Stellvertretungen. Geplant ist, dass diesen Sommer pro Oberstufenzentrum weitere Studierende hinzustossen.

Die Studierenden sind viel näher am Schulalltag.

Viele Vorteile für alle Beteiligten

Die Nachfrage der PHSG bei den beiden Oberstufenzentren, ob sie sich als Pilotschulen am Projekt Partnerschule 2.0 beteiligen wollten, stiess auf grosses Interesse. Thomas Eberle: «Wir sehen im Projekt sehr viele Vorteile gegenüber der bisherigen Situation. So sind die Praktika besser planbar, die Studierenden erhalten einen vertieften Einblick in den Schulbetrieb, sie werden viel besser in den Schulbetrieb integriert und sind viel näher am Schulalltag.» – «Weil sie über fünf Semester hinweg in der gleichen Klasse ihre berufspraktische Ausbildung durchlaufen, erleben sie die Entwicklung, welche eine Schulklasse durchmacht, aus nächster Nähe», ergänzt Roger John. «Und was wir nicht vergessen dürfen: Wir als Schulleiter können die Studierenden im Schulalltag als mögliche künftige Lehrkräfte genau beobachten und auf Herz und Nieren prüfen.» Zudem, so Eberle, könnten die Studierenden, die sich übrigens selbst beworben und von den Schulleitungen rekrutiert und ausgewählt wurden, für «diverse Einsätze auch ausserhalb der ordentlichen Praktika» engagiert werden. Eberle denkt dabei zum Beispiel an bezahlte Aushilfslektionen oder Lagerbegleitungen.

Betreuung durch Lehrpersonen

Die fünf PHSG-Studierenden werden im Schulzimmer von den Lehrkräften «ihrer» Klassen betreut. Daneben kümmern sich aber mit Danielle Brugger (OZ Rosenau) und Claudia Jakob (OZ Buechenwald) zwei sogenannte Praxisdozenten intensiv um die «Lehrlinge». Die beiden absolvieren jobbegleitend eine einjährige Ausbildung, welche sie als «Aussendienst-Mitarbeitende» der PHSG befähigt, die Studierenden zu begleiten und ihre Einsätze zu koordinieren.

Federica Bordini, Iva Dilberovic, Luana Asia Oderbolz, Sina Graf und Michael Schiess haben ihre Pilotpraktika an den Oberstufenzentren Anfang Februar 2020 begonnen. Stellvertretend für ihre drei Kolleginnen und ihren Kollegen meint Luana Oderbolz, dass sie sich vom Mitmachen am Pilotprojekt zahlreiche Vorteile erhofft. «Wir investieren im Vergleich mit unseren Mitstudierenden doch einige Stunden mehr in den praktischen Teil unserer Ausbildung. Die Zeit ist aber gut investiert, weil wir durch die starke Integration ins Team und die längere Verweilzeit in den Klassen einen viel besseren Einblick in unsere spätere Tätigkeit erhalten. Wir lernen neben dem ‹normalen Schulgeben› zahlreiche andere Facetten des Schulalltages kennen, was uns den späteren Start ins Berufsleben mit Sicherheit erleichtern wird.

PHSG

Die Pädagogische Hochschule St. Gallen (PHSG) ist für die Ausbildung des Lehrernachwuchses für den Kanton St. Gallen zuständig. An den Standorten St.Gallen, Rorschach und Gossau werden pro Jahr von 260 Dozierenden rund 1300 angehende Kindergarten-, Primarschul- und Sekundarschullehrkräfte ausgebildet. Das Bachelor-Studium Kindergarten- und Primarstufe dauert sechs Semester, das Bachelor-Master-Studium Sekundarstufe I ­dauert gesamthaft neun Semester.

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