Chemieunfall – Die Feuerwehr probt den Ernstfall

In den Kühlhallen der Migros Ostschweiz brannte es. Dabei ist Ammoniak ausgelaufen. Der Sicherheits­verbund Region Gossau übte am Montag im Rahmen des Ausbildungs­programmes zusammen mit dem Chemie-­Stützpunkt St. Gallen den Ernstfall. An der Übung beteiligt waren insgesamt rund 100 Angehörige der Feuer- und Chemiewehr.

Im Zentrum der Übungsanlage lag einer­seits die Löschung des Brandes und anderer­seits musste das Ausströmen des Ammoniaks verhindert werden. Ziel der Übungsanlage war das Trainieren der Schnittstellen und der Führungsstrukturen. Wenn zwei Organisationen gemeinsam am Platz arbeiten, ist das gute Zusammenspiel Voraussetzung für eine erfolg­reiche Schadensbekämpfung. Dabei gilt folgende Reihenfolge: Personen retten, Feuer eindämmen, Umwelt schützen. Dies ist im Industriegebiet Gossau Ost besonders wichtig, stehen doch die Industriebauten in einer Grundwasserschutzzone.

 


Sicherheit können wir nur gewährleisten, wenn die Feuerwehrleute selber sicher sind.


 

Ausbildung schafft Sicherheit
Regelmässiges Einüben von Abläufen und das Auffrischen von Fachwissen gehören zum Einmaleins jeder Feuerwehr. Die Ausbildungsein­heiten werden professionell von Instruktoren begleitet. «Sicherheit für die Bevölkerung können wir nur gewährleisten, wenn die Angehörigen unserer Feuerwehr selber sicher sind», davon ist der Regionalkommandant Stefan Kramer überzeugt. Bei jedem Einsatz ist der Sicherheitsoffizier verantwortlich für die Gesundheit der Mitarbeitenden. Seinem Wort ist Folge zu leisten. Im Notfall kann er sich mit einer Trillerpfeife Gehör verschaffen.

Hygiene ist Teil der Sicherheit
In unserer Welt voller Plastik und chemischen Stoffen ist der Schadenfall meistens von giftigen Dämpfen, Russ und Rauch begleitet. Die Sicherheitsausrüstung beinhaltet deshalb nicht nur Ganzkörperschutzkleidung, sondern auch einen Pressluftatmer. Beides wird nach jedem Ereignis noch am Schadenplatz eingesammelt, in Spezial­kisten verpackt und im Depot dekontaminiert.

Kommunikation ist mehr als Austausch von Informationen
Die Sicherheit hängt nicht zuletzt von einer guten Kommunikation ab. Der SVRG verfügt über modernste Kommunikationsmittel wie Polycom (Sicherheitsnetz Funk Schweiz), Handy und ­Tablets, wo über 130 Brandmeldeanlagen im Versorgungsgebiet gespeichert sind. «Um sich Gehör zu verschaffen, ist auch eine laute Stimme hilfreich», schmunzelt Stefan Kramer. Wichtig bleibt auch das gemeinsame Gespräch nach einem belastenden Einsatz oder nach einem intensiven Training. «Die Angehörigen der Feuerwehr sind nicht nur eine Arbeitsgemeinschaft, sondern im Ernstfall auch eine Schicksalsgemeinschaft. Da dürfen auch Emotionen gezeigt werden», erklärt Stefan Kramer.

Eine anspruchsvolle Tätigkeit
Die Arbeit eines AdFs (Angehörigen der Feuerwehr) ist anspruchsvoll. Der Frauenanteil ist mit 15 % gering, die Tendenz ist jedoch steigend. Das Gewinnen von neuen Mitgliedern gelingt am besten durch Anwerbung durch bestehende AdF. Wer einmal dabei ist, wird mit dem Virus angesteckt.

 

 

 

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